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Die
Methode gemäss J. Scheiner (Drift alignment method)
Im
laufe der Zeit sind verschiedene Methoden zur Ausrichtung der
Stundenachse eingeführt worden. Eine der ersten praktikablen
ist die Drift Alignment Methode gemäss J. Scheiner, welche
1889 in [1]
publiziert wurde. Diese ist wohl die am häufigsten benutzte
Methode zur Ausrichtung der Montierung. Sie ist einfach in der
Handhabung, da sie nur ein Fadenkreuzokular für die
Durchführung erfordert. Die Korrektur der Stundenachse in
Azimut und Elevation werden getrennt bestimmt, das Azimut im
Meridian, die Elevation beim lokalen Stundenwinkel
= ±6h. Die Methode wird hier stellvertretend für
viele andere in der Fassung [2]
der Astronomical League wiedergegeben:
Choose
a bright, easily located star close to the equator (to maximize
the drift rate) and near your meridian. Center it on the
crosshair of your eyepiece.
Track
the star until its drift in declination becomes noticeable.
Ignore any drift in right ascension. If the star drifts
northward, move the polar axis east. If the star drifts
southward, move the polar axis west. Repeat, making finer
adjustments, until the drift becomes negligible.
Choose
another bright, easily located star near the eastern or western
horizon and center it in your crosshair eyepiece.
Track
the star until its drift in declination becomes noticeable.
Ignore any drift in right ascension. If you are looking east and
the star drifts northward, move the polar axis down. If you are
looking east and the star drifts southward, move the polar axis
up. (Reverse the corrective action if you are looking west.)
Repeat, making finer adjustments, until the drift becomes
negligible.
J.
Scheiner wies ausdrücklich darauf hin, dass die Refraktion
“unschädlich” zu machen sei. Ignoriert man diesen
Hinweis, dann wäre eine Beobachtung auf dem Himmelsäquator
im Meridian bzw. im geografischen Osten oder Westen durchaus
möglich. Diese Methode beruht aber strikt darauf, dass man
beim Stundenwinkel
=0 und ±6h die Bewegung in der
-Richtung
beobachtet. Folgt man der obigen Darstellung und beobachtet in der
Nähe des Horizonts, dann ist der Einfluss der Refraktion
naturgemäss am grössten. Im Folgenden wird gezeigt, dass
die obigen Instruktionen mit Vorsicht zu geniessen sind und die
ergänzenden Ratschläge von J. Scheiner und A.A. Rambaut
berücksichtigt werden müssen.
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Abbildung 1:
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Spuren
der Drift Alignment Methode für
= 0,10,20,30,40,50,60 und 80o (links beginnend) bei
= 23h45m ohne Atmosphäre,
Belichtungszeit 30 Minuten. Das Teleskop ist siderisch
nachgeführt. Länge des Balkens 25''.
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Abbildung 2:
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Spuren
der Drift Alignment Methode für
= 0,10,20,30,40,50,60 und 80o (unten beginnend) bei
= 18h00m. Damit die einzelnen Spuren
erkennbar sind, wurden sie gegeneinander verschoben, sonst wie
Abb. 1.
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In
den Abb. 1
und
2
sind
die Verhältnisse für eine Abweichung des instrumentellen
Pols P' vom wahren Pol P von
= 236'' und einem Stundewinkel von h = 18h30m
dargestellt. Die in den folgenden Abbildungen gezeigten Spuren
können für andere Positionen des instrumentellen Pols
und andere geografischen Breiten
stark abweichen. Insbesondere ist die Bewegung in der
-Richtung
im Meridian (z.B. Abb. 1)
eine Folge davon, dass der instrumentelle Pol P' sich bei h =
18h30m, also bei 277.5o befindet.
In anderen Stellungen schliessen die Spuren mit der
-Richtung
alle Winkel zwischen 0...90o ein.
In
Abb. 1
weicht
der Stern nach Süden ab, d.h. der Instrumentenpol liegt
östlich vom wahren Pol. In Abb. 2
weicht
der Stern nach Norden ab, d.h. der Instrumentenpol befindet sich
oberhalb des wahren Pols. Die Bewegungsrichtung kann man erkennen,
da immer zur vollen Winkelstunde die Farbe der Spur von weiss nach
rot wechselt. In Abb. 1
wird
bei
= 23h45m gestartet (weiss) und bei
= 0h (in der Mitte der Messung) wechselt die Farbe auf
rot. In Abb. 2
ist
der Beginn bei
= 18h00m (rot) und wechselt zwanzig Minuten
später auf weiss.
Die
Spuren haben in beiden Abbildungen jeweils ähnliche Formen.
Insbesondere weichen sie unabhängig von der eingestellten
Deklination in die gleiche Richtung vom Fadenkreuz bzw. von der
anfänglichen Position ab. Gut zu erkennen ist, dass die
Abweichung in der
-Richtung
für alle Spuren dieselbe ist, so wie das J. Scheiner
beschrieben hat. Man sieht in Abb. 2
für
= 0o, dass die Spuren, es sind nur noch vertikale
Linien, in bester Übereinstimmung mit den Angaben von E.S.
King sind. Da bei der Drift Alignment Methode nur die Bewegung in
der
-Richtung
berücksichtigt wird, spielt die Variation der Spurlänge
in Abhängigkeit der Deklination
keine Rolle und man könnte die Messung irgendwo zwischen
Horizont und Pol vornehmen. Damit wäre im Prinzip die
Tauglichkeit der Methode nachgewiesen. Bisher wurde allerdings
verschwiegen, dass die in Abb. 1
und
2
gezeigten
Spuren ohne Atmosphäre berechnet wurden. Bezieht man die
Atmosphäre mit ein, dann werden die Verhältnisse etwas
komplizierter.
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Abbildung 3:
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Spuren
der Drift Alignment Methode für
= 0,10,20,30,40,50,60 und 80o (links beginnend) bei
= 23h45m mit Atmosphäre.
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Abbildung 4:
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Spuren
der Drift Alignment Methode für
= 0,10,20,30,40,50,60 und 80o (links beginnend) bei
= 18h00m. Die Spuren für
= 0,10o sind viel zu lang und können bei diesem
Abbildungsmassstab nicht sinnvoll dargestellt werden, sonst wie
Abb. 3.
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In
Abb. 3
und
4
sind
dieselben Verhältnisse mit Atmosphäre dargestellt.
Beschränkt man sich auf die
-Richtung,
dann kann als erstes festgestellt werden, dass in beiden
Abbildungen alle Spuren unabhängig von der Deklination
denselben Verlauf zeigen. Die Interpretation der Spuren liefert
immer dasselbe Ergebnis, obwohl sie unterschiedliche Längen
und Richtungen haben. Benutzt man nur dieses qualitative Ergebnis,
d.h. man berücksichtigt nur die Bewegung in der
-Richtung,
dann spielt es fürs erste keine Rolle, bei welcher
Deklination die Messung durchgeführt wird. Vergleicht man
beide Abbildungen, welche die Richtung der Azimutkorrekturen
bestimmen (Abb. 1,
3),
so ist nur ein geringer Unterschied in der Neigung der Spuren
auszumachen, welcher keinen Einfluss auf die Interpretation hat.
Schaut
man dagegen die beiden Abb. 2
und
4
an,
so ist die Bewegung in der
-Richtung
grundsätzlich verschieden. Es ist klar erkennbar, dass die
Spuren unter dem Einfluss der Atmosphäre nach Süden und
diejenigen ohne nach Norden zeigen. Folgt man den eingangs
erwähnten Regeln, dann bedeutet das, dass der instrumentelle
Pol unterhalb des Pols liegen würde. Was ist hier passiert?
Die Koordinaten des instrumentellen Pols P' (
= 236'' , h = 18h30m) besagen, dass die
Stundenachse auf einen Punkt zeigt, der etwas über und
östlich vom wahren Pol P liegt. Dieser Widerspruch löst
sich schnell auf, denn der beobachtete Ort des wahren Pols und die
umgebenden Sterne werden durch die Refraktion um einen kleinen
Betrag, in diesem Beispiel sind es 51.8'' , in Richtung Zenit
verschoben. Damit liegt der instrumentelle Pol tatsächlich
unterhalb des scheinbaren Pols Pr und alles hat seine
Richtigkeit.
Dieses
Beispiel zeigt somit auf, dass man mit der Drift Alignment Methode
schliesslich zum refraktiven Pol gelangen würde, je näher
man die Messung am Pol durchführt. Dieser scheinbare bzw.
refraktive Pol Pr ist keineswegs eine Fiktion, denn die
bekannten Langzeitaufnahmen der Polregion mit einem normalen
Fotoapparat zeigen die tägliche Bahn der Sterne als
Kreisbögen, deren Zentrum eben dieser refraktive Pol ist.
Störend
ist allerdings, dass die Bewegung in der
-Richtung
von der Deklination abhängt, was die Interpretation
erschwert. Normalerweise stellt man die Abweichung vom Fadenkreuz
nach einer gewissen Zeit fest. Während man die Spur für
= 80o eher als genügend akzeptiert, ist dies bei
= 20o nicht mehr der Fall, obwohl die Poldistanz ein
und dieselbe ist.
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Abbildung 5:
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Spuren
der Drift Alignment Methode für
= 0,10,20,30,40,50,60 und 80o (von unten nach oben) bei
= 23h45m, mit Atmosphäre. Die
Stundenachse zeigt auf den refraktiven Pol. Länge des Balkens
6.25'' .
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Abbildung 6:
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Spuren
der Drift Alignment Methode für
= 20,30,40,50,60 und 80o (unten beginnend) bei
= 18h00m, sonst wie Abb. 5.
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Wie
sehen die Spuren aus, wenn der instrumentelle Pol P' auf den
refraktiven Pol Pr zeigt? Stellt man die Stundenachse
auf den refraktiven Pol ein, dann ist Abweichung im Azimut Null,
d.h. die Spuren müssen bei der Messung im Meridian entlang
der
-Richtung
verlaufen. Abb. 5
bestätigt
diese Erwartung innerhalb der Messgenauigkeit von ±1'' für
alle Deklinationen. Diese Aussage gilt allerdings nur, wenn der
instrumentelle und der refraktive Pol zusammenfallen. Ist die
Stundenachse im Azimut ein bischen ausgelenkt, dann kann man,
jenachdem bei welchem Stundenwinkel man gerade beobachtet, auch
zur
-Richtung
parallele Spuren sehen. Deswegen ist die praktische Seite der
Beobachtung nicht ganz so einfach, wie dies die Simulation
suggeriert.
Auch
für die Messung der Elevation der Stundenachse bei
= ±6h sagen die erwähnten Regeln ebenfalls
zur
-Richtung
parallele Spuren voraus. In Abb. 6
ist
zu erkennen, dass die Spuren erst für
> 80o einigermassen parallel werden. Aus der
Abbildung wird sofort klar, dass die Ausrichtung auf den
refraktiven Pol kaum gelingen wird, wenn man den Effekt der
Refraktion nicht rechnerisch eliminiert. Möchte man die
Stundenachse auf den refraktiven Pol Pr ausrichten,
dann folgt aus diesen beiden Abbildung, dass die Drift Alignment
Methode, so wie sie heute häufig praktiziert wird, nur im
Azimut befriedigende Resultate liefert nicht aber im wichtigeren
Fall der Elevation der Stundenachse.
Man
kann sich nun fragen, wohin die Stundenachse schliesslich zeigt,
wenn man z.B. bei
= 20o dafür sorgt, dass die Spur keine Abweichung
in der
-Richtung
zeigt. In völliger Analogie zum Vorgehen am Teleskop wurde
bei der Simulation durch Versuch und Irrtum die Neigung der
Stundenachse solange verändert, bis die Spuren während
30 Minuten innerhalb eines Bandes von 2'' lagen (Abb. 7).
Die so erhaltenen Werte der wahren Poldistanz
sind in Tab. 1
in
der ersten Zeile für die Deklinationen 20 bis 80o
zusammengestellt. Ohne Einschränkung des allgemeinen Falls
wurde die Stundenachse in der Meridianebene belassen.
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[o]
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20
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30
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40
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50
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60
|
70
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80
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['']
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342.0
|
171.0
|
112.0
|
81.0
|
65.0
|
56.0
|
53.0
|
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|
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|
-
Pr ['']
|
290.2
|
119.2
|
60.2
|
29.2
|
12.2
|
4
|
2
|
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(
= 18h) ['']
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443.3
|
207.4
|
125.5
|
88.4
2
|
69.1
|
58.7
|
53.5
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
(
= 0h) ['']
|
35.8
|
31.0
|
28.6
|
28.2
|
29.5
|
33.0
|
39.6
|
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Zulässiger
Fehler ['']
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65
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-
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44
|
-
|
34
|
-
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18
|
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Tabelle 1:
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Poldistanz
in Abhängigkeit der Deklination, welche sich aus der Drift
Alignment Methode ergeben, verglichen mit den Werten für
= 18h und den Sollwerten im Meridian (
= 0h) gemäss der Gleichung
von King (dritte und vierte Zeile) und den zulässigen
Toleranzen. Der refraktive Pol befindet sich in einer Distanz von
51.8'' vom Himmelspol. Die Stundenachse liegt in der Meridianebene
und die geografische Breite ist
= 47.5o.
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Aus
der zweiten Zeile in der Tabelle, d.h. nach Abzug der Poldistanz
des refraktiven Pols Pr von 51.8'' , kann man
herauslesen, dass erst ab einer Deklination von 40o die
Abweichung vom refraktiven Pol kleiner als 1 Bogenminute wird.
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Abbildung 7:
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Zur
-Richtung
mehr oder weniger parallel verlaufende Spuren der Drift Alignment
Methode für
= 20,30,40,50,60 und 80o (von unten nach oben) bei
= 18h00m mit Atmosphäre. Die weissen
Balken rechts sind 2'' lang, sonst wie Abb. 2.
Die Stundenachse zeigt auf die in Tab. 1
angegebenen
Werte.
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Es
sei noch erwähnt, dass die finale Position der Stundenachse
auch von der Dauer der Einzelmessung abhängt, wie dies in
Abb. 7
im
Falle der Spur für
= 20o gut zu sehen ist. Diese Spur hängt durch, so
dass bei der Interpretation, was noch zur
-Richtung
parallel sei, ein gewisser Spielraum besteht. Dieser Effekt ist
weniger ausgeprägt bei hohen Deklinationen, bleibt aber
präsent. Je näher das Observatorium am Äquator
liegt, desto schwieriger werden diese Messungen selbst in der
Region des Pols, da der Grosskreis bei ±6h
länger nahe dem Horizont verläuft.
E.S.
King leitete in seinem Artikel [3] eine
Gleichung her, wie die Position der Stundenachse in Funktion des
zu beobachenden Feldzentrums, also der Deklination und des lokalen
Stundenwinkels, gewählt werden muss, damit die Bewegung in
der Deklinationsrichtung Null wird. Er erhielt dafür folgende
Gleichung

Darin
sind
die Poldistanz des instrumentellen vom wahren Pol, n der
Brechungsindex der Atmosphäre,
die geografische Breite und
die Zenitdistanz.
Die
Drift Alignment Methode nach J. Scheiner ist nichts anderes, als
eine etwas verklausulierte Formulierung der Gleichung
von King. Diese Gleichung sagt, dass es zu jeder Zenitdistanz
,
bzw. einem Paar Stundenwinkel
und Deklination
,
eine zugehörige Poldistanz
gibt, sodass die Bewegung in der
-Richtung
kompensiert wird. In der dritten Zeile der Tab. 1
sind
die mit der Gleichung
von King berechneten Werte für
= 18h aufgeführt. In der Polregion ist die
Übereinstimmung zwischen der Gleichung
von King und der Simulation gut und nimmt dann
immer mehr ab. Dies beruht auf den oben erwähnten
Schwierigkeiten der Interpretation der Spuren.
Die
Elevation der Stundenachse wird bei ±6h
ermittelt. Bei sonst gleicher Deklination ist die Zenitdistanz im
Osten oder Westen grösser als im Meridian. Daraus folgt, dass
auch die Poldistanz
,
welche durch die unkorrigierte Drift Alignment Methode
schliesslich erreicht wird, im Normalfall grösser ist. Nun
wird man im Allgemeinen aber im Bereich des Meridians
fotografieren und dafür ist die erzielte Einstellung aber
nicht optimal. In der vierten Zeile sind die nach der Gleichung
von King auf dem Meridian berechneten Werte
eingetragen. Der Vergleich der dritten und vierten Zeile in Tab.
1
zeigt,
dass die Werte bei kleinen Deklinationen erheblich abweichen und
erst für
>
70o die zulässige Toleranz der Genauigkeit der
Ausrichtung (fünfte Zeile) unterschritten wird. Aus all dem
kann man schliessen, dass die Elevation der Stundenachse in jedem
Fall in unmittelbarer Nähe des Pols bei
= ±6h bestimmt werden muss, wenn man die
Refraktion nicht rechnerisch korrigiert.
Wie
bereits erwähnt, wird für die Durchführung der
Drift Alignment Methode die unmittelbare Polregion favorisiert. Es
kann nun sein, dass keine geeigneten Sterne mit dem richtigen
lokalen Stundenwinkel bei
= 0h und ±6h zur Verfügung
steht. Man darf sich dann nicht dazu verleiten lassen, einen Stern
einzustellen, welcher scheinbar ein bischen von der Sollposition
in der
-Richtung
abweicht. In der Polregion kann eine Winkeldistanz von 0.5o
schnell einer Änderung des Stundenwinkels von bis zu 12h
entsprechen. Die Drift Alignment Methode funktioniert nur, wenn
wirklich bei
= 0,±6h gemessen wird, ansonsten liefert sie
falsche Resultate.
Da
sich die Zenitdistanz
kontinuierlich mit dem Stundenwinkel
ändert, läuft man einem beweglichen Ziel hinterher. Dies
ist vom praktischen Standpunkt her betrachtet natürlich ein
Nachteil, da man die Genauigkeit des Resultates nicht einfach
durch eine Verlängerung der Beobachtungszeit steigern kann.
Wie oben gezeigt, ist eigentlich das Gegenteil der Fall und man
sollte kurz, d.h. einige Minuten bis die Abweichung sichtbar wird,
bei möglichst starker Vergrösserung beobachten.
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Abbildung 8:
|
Abweichung
in Bogensekunden des Sterns vom Fadenkreuz für
= 0 und bei verschiedenen Deklinationen (links beginnend 0, 10,
20, 30, 40, 50 60 70 80o). Diese Abbildung gilt für
die geografische Breite
= 47.5o.
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Abbildung 9:
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Abweichung
in Bogensekunden des Sterns vom Fadenkreuz für
gemäss der Gleichung
von King, sonst wie Abb. 8.
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|
Damit
man ein gewissen Gefühl entwickeln kann, in welchen
Zeiträumen die Abweichung vom Fadenkreuz sichtbar wird, ist
in Abb. 8
und
9
der
Sachverhalt für zwei Einstellungen der Stundenachse
dargestellt. Die steilen Kurven in Abb. 8
werden
durch die Einstellung
= 0'' verursacht. Die Stundenachse zeigt also auf den wahren Pol P
und ist damit nicht soweit vom refraktiven Pol entfernt, wie man
das durch die Grobausrichtung erreicht (
=
360'' ). Dies bedeutet, dass bei der ersten Beobachtung der Stern
sich beträchtlich schneller in der
-Richtung
bewegt, als hier gezeigt. Die anfänglich flacher verlaufenden
Kurven (Abb. 9)
entsprechen der Einstellung gemäss der Gleichung
von King. Zu Beginn ist in diesem Punkt am
Himmel die Bewegung in der
-Richtung
vollständig kompensiert und daher muss die anfängliche
Abweichung deutlich geringer ausfallen. Man sieht aber, dass
spätestens nach ca. 60 Minuten im besten Fall (
= 80o) der Abstand von der Sollposition
bereits 0.5'' beträgt und, dass der Stern schneller abweicht,
je geringer die Deklination ist. Selbst wenn wie in Abb. 9
die
Stundenachse für die anfänglich beobachtete Region
optimal ausgerichtet ist, ist bei der Deklination
= 0o schon nach 3 Minuten eine Abweichung zu erkennen.
Damit wird allmählich ersichtlich, dass die Drift Alignment
Methode in der Nähe des Horizonts versagt.
Aus
den Abb. 8
und
9
folgt
zudem, dass jede Beobachtung mit einem anderen Stern durchgeführt
werden muss. Dieser Stern muss in engen Grenzen dieselbe
Deklination haben und zu Beginn muss er beim lokalen Stundenwinkel
= ±6h stehen. Denn, nimmt man an, dass eine
ausgeführte Korrektur die erhoffte Wirkung zeigen würde
und kontrolliert mit demselben Stern z.B. eine halbe Stunde
später, dann wird dieser zwangsläufig schneller vom
Fadenkreuz abweichen, wie dies in Abb. 9
zu
erkennen ist. Besonders gut ist dies an Hand der Kurve für
= 50o nachzu vollziehen. In der ersten halben Stunde (
= 18h00m...18h30m)
weicht der Stern um eine Bogensekunde ab. Für dieselbe
Abweichung benötigt der Stern bei
= 18h30m gerade mal die Hälfte der
Zeit. In der Zwischenzeit hat sich die Zenitdistanz verändert
und dem zu Folge kann die Bewegung in der
-Richtung
nicht mehr durch die eben eingestellte Neigung der Stundenachse
kompensiert werden. Dadurch, dass der Stern schneller vom
Fadenkreuz abweicht, würde man in der Überzeugung
gestärkt, dass die letzte Korrektur wohl in die falsche
Richtung erfolgte, obwohl dies der ganz normale Verlauf ist.
Wer
trotz dieser Schwierigkeiten an der Drift Alignment Methode ohne
rechnerischen Korrektur der Refraktion fest halten möchte,
kann gemäss den modifizierten Empfehlungen vorgehen:
Man
wähle ein Okular, sodass eine Abweichung von 1...3'' sicher
abgelesen werden kann.
Man
nivelliere die Montierung. Dies ist nicht zwingend erforderlich,
aber vereinfacht die ganze Justierung (siehe auch Punkt 8).
Die
Beobachtung soll nur solange währen, bis die Richtung der
Abweichung sicher festgestellt ist. Die verstrichene Zeitdauer
ist nur in gewisser Hinsicht ein Mass für die Genauigkeit
der Aufstellung, denn kein Stern verbleibt dauernd auf dem
Fadenkreuz.
Jede
Beobachtung muss mit einem anderen Stern durchgeführt
werden, welcher in engen Grenzen eine ähnliche Deklination
und den Stundenwinkel
= 0h (Azimut) und
= ±6h (Elevation) hat.
Jede
Korrektur der Elevation erfolgt durch Beobachtung eines Sterns
beim lokalen Stundenwinkel
= ±6h und nicht im Westen oder Osten. Die
Deklinationen soll zwischen 70o <
< 90o betragen. Je näher das Observatorium am
Äquator liegt, desto näher muss beim Pol beobachtet
werden.
Die
Korrektur der Position der Stundenachse in Azimut wird im
Meridian am besten in der Nähe des Pols durchgeführt.
Der Stern muss sich in diesem Fall nahe beim Pol, aber in der
Richtung des Zenits befinden.
Die
einleitend erwähnten Instruktionen zur Richtung der
Korrekturen bleiben dieselben.
Da
die Messungen sich gegenseitig beeinflussen, muss die jeweils
andere solange wiederholt werden, bis die Abweichung genügend
klein ausfallen.
Die
in den Punkten 3
und
8
gemachten
Aussagen, lassen die Drift Alignment Methode im Allgemeinen in
einem schlechten Licht erscheinen, da sie keine klare Anweisung
enthält, wann das Ziel erreicht ist. Die Begründung der
Aussage unter Punkt 3
ist,
dass es für jede Zenitdistanz
eine Poldistanz
existiert, welche die Bewegung in der
-Richtung
kompensiert. Im Falle des Punktes 8
muss
man bedenken, dass die scheinbare Bewegung ohne Atmosphäre
relativ zu den wahren Koordinaten durch eine Summe
von zwei Termen beschrieben wird. Bei den Stundenwinkeln
= 0h und ±6h wird jeweils einer der
beiden Null, was die Beobachtung vereinfacht. Diese beschränkte
Griffigkeit der Regeln 3
und
8
sind
somit eine direkte Folge der Refraktion der Atmosphäre und
der vereinfachten Art und Weise, wie die Beobachtung durchgeführt
wird. Auch wenn man die Schritte getreu abarbeitet, ist der Erfolg
nicht wirklich garantiert.
In
der Einleitung zu diesem Kapitel stand, dass die Drift Alignment
Methode einfach in der Durchführung sei. Das ist sie auch
geblieben, obwohl die obige Liste etwas länger ausfiel. Dass
die ursprüngliche Fassung ohne Korrektur der Refraktion
solche Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung bereitet,
erstaunt doch ein wenig. Nachteilig wirkt sich aus, dass man keine
Angaben erhält, um wieviel die Stundenachse bewegt werden
muss. So bleibt diese Methode im Stadium von Versuch und Irrtum
stecken, ohne dass man am Schluss weiss, wohin und wie genau die
Stundenachse zeigt. Die beiden in den folgenden Kapiteln
beschriebenen Methoden beheben diese Mängel vollständig,
wobei sich der zusätzliche Aufwand in engen Grenzen hält.
Vielleicht ausser der Zeit, die man benötigt, sie zu
erlernen. Das Ergebnis rechtfertigt diese Anstrengung aber in
jedem Fall.
Literaturverzeichnis
[1] SCHEINER,
J.: Sur une méthode très simple permettant
d’orienter un instrument a monture parallactique plus
excactement qu’on ne peut le faire en général
par des lecturs des cercles. In: Bulletin du Comité
Permanent International pour l’Exécution
Photographique de la Carte du Ciel, 6e fascicule,
S. 385 - 388, 1889. Proceedings of the academy.
[2] THE
ASTRONOMICAL LEAGUE: Astro Note 15: Accurate Polar Alignment.
www.astroleague.org/al/astrnote/astnot15.html.
[3] KING,
E. S.: Forms of images in stellar photography. Annals of
Harvard College Observatory, 41:154-187, 1902.
|
|
Kommentare,
Fragen, Korrekturen: markus.wildi@one-arcsec.org
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Nach
Oben
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